storify. Ein (vorläufiger) Erfahrungsbericht

Wer dieses Blog schon einmal besucht (und vielleicht auch ins Vorgängerprojekt reingeschaut) hat, weiß es längst: Der medienleiter hat ein geradezu manisches Faible für Storytelling. (Weil ihm der Klang des Wort soooo gut gefällt, kommt es auch in jedem seiner Texte mind. 258 mal vor.) Und weil der Beweis des Puddings immer noch im Essen – also im Storytellen (klingt schon deutlich weniger gut…) – liegt, experimentiert er gern mit verschiedenen Tools. Seit ein paar Tagen auch mit (dem Twitter-basierten) storify (private beta). Hier gehts zu meinem User-Account.

- Lizenz: creativecommons / Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-ND 2.0))”]

Storify geht neue Wege im Online-Erzählen (Quelle: Flickr / User: Fräulein Schiller / Anna Lena Schiller [Link: http://www.flickr.com/photos/frauleinschiller/4930088678/

Worum gehts denn da?

Ums kurz zu machen, zitiere ich die Betreiber der Plattform:

What is Storify?

Storify is a way to tell stories using social media such as Tweets, photos and videos. You search multiple social networks from one place, and then drag individual elements into your story. You can re-order the elements and also add text to give context to your readers.

Why should I make stories with Storify?

Millions of people are sharing content through social media. But these streams of information are quickly lost in the never-ending stream of updates. With Storify, you can put together the best Tweets, photos and videos to make stories that will be remembered. [Quelle: 
http://storify.com/faq
]

Die von mir bisher kompilierten Geschichten:

  1. PR im Social Web anlässlich eines Vortrags zum gleichlautenden Thema beim Online-Gesprächsformat Treffpunkt Kulturmanagement
  2. Gunter Dueck: Das Internet als Betriebssystem der Gesellschaft (zum Highlight-Vortrag der diesjährigen re:publica)
  3. Das Aufreger-Thema der Osterwoche: Dem iPhone Tracker auf der Spur…

Wem nützt Storify?

In seinem Blogpost Disruptive Storytelling plus 6 neue W hält Marcus Bösch hierzu fest:

Eingedenk einer sich ändernden Jobspezifikation von Journalisten im 21. Jahrhundert macht Storify schon ganz viel richtig. Hier wird kuratiert und nicht produziert. Man setzt sich in den Datenstrom und extrahiert Bedeutung. Bester Prozessjournalismus. Einfach zu handhaben. Für jeden.

Diese Herangehensweise verbietet natürlich nicht die Produktion eines klassischen großen Text-Erklärstückes. Es könnte die Grundlage eines solchen sein. [Quelle:
http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=1824
 // Unterstreichung im Text von mir; M.L.]

{Eine Anmerkung zum letzten Punkt: Bei der Geschichte PR im Social Web war es unumgänglich, die Thesen der Referentin in einem eigenen “klassischen Text” (hier in meinem Blog) kurz zusammenzufassen, da sonst für die  ”embedded social media -elements” der kontextuelle Inhaltsrahmen gefehlt hätte. Der wäre über Tweets etc. nicht herzustellen gewesen. Einen fertigen Blogtext von jemand anders gabs zu dem Zeitpunkt auch nicht. Im Gegensatz dazu habe ich aber auch schon mal, wenn auch nicht bei storify, einen Konferenzbericht nur auf der Basis von Tweets gemacht. (Es ging mir dabei nur um die Vermittlung ganz globaler Aussagen. Was sagt einem das? Das Denken in narrativen Strukturen ist auch beim Geschichten-Kuratieren letztlich das entscheidende Moment.)}

Was ich mir wünschen würde?

Nun läuft storify noch im Betabetrieb, d.h. es wird sich ohnedies noch manches ändern. Wünschen würde ich auf Basis meiner bisherigen (bescheidenen) Erfahrungen:

  • Gestaltungsmöglichkeit bei der Layoutierung einer Geschichte. So einfach und praktikabel die Bedienung von storify ist, die “Listenform” kann mit der Zeit öde werden. Mehr Gestaltungsmöglichkeiten können mehr Übrsichtlichkeit bieten, v.a. bei komplexen Geschichten.
  • Mehr Importquellen: Als Recherche- und Importquellen stehen automatisiert zur Verfügung: Twitter, Facebook, Flickr, Youtube, storify, Google, RSS-Feeds. (Also eh praktisch praktisch das gesamte Internet). Dass es nicht auch einen Direkt-Button für das superpraktische vimeo gibt, ist etwas schade. (Man kommt z.B. via Google oder via API eh hin, aber es ist halt etwas umständlich. Das Problem wird sich – so die FAQs im Punkt Can I use other sources? aber lösen.)
  • Die auf 4 Tage beschränkte Search-History bei Twitter ist für “Storyteller” echt eine blöde Sache, wenn sie z.B. Hintergründe einbauen wollen. Natürlich gibts auch hier “ways around”, aber es wird halt schnell mühsam.
  • Ein Experiment wollte ich gestern machen, zu dem es (leider) nicht kam. Meine Idee war “Live-Storifying” anlässlich des durchaus erwartbaren (vorzeitigen) Dortmunder Meistertitels. (Ja, die Rede ist von Fußball. Und nein, dazu kam’s am Ende nicht, weil Leverkusen sein Spiel doch noch gewonnen und der BVB anschließend verloren hat.) Ich hätte versucht, während des Dortmunder Spiels gegen Gladbach Tweets, Facebook-Posts etc. einzufangen und eine Geschichte der gelb-schwarzen “emotions in the moments of glory” zusammenzustellen. (Was eine sehr, sehr große Herausforderung gewesen wäre, da während Spielen der Fußball-Bundesliga minütlich hunderte Tweets mit Hashtags #bvb oder #dortmund den Online-Orbit entern.) Für mich stellt so ein Versuch – gerade auch in Hinblick auf die Journalismus-Tauglichkeit des Tools – so etwas wie einen Lackmus-Test dar. Die im Vorfeld gemachte Erfahrung, dass die Importströme bei storify mitunter sluggish laufen, hat mich etwas skeptisch gemacht. (Wie das Experiment in echt ausgeht, wird sich noch zeigen.)
  • Dzt. keine Embedding-Möglichkeit für WordPress.com-hosted Blogs (wie meines): Wiederum ein Auszug aus den FAQs: ”Will Storify work with my WordPress blog? Yes for self-hosted WordPress blogs! But not for now if your blog is hosted by WordPress.com. Storify also works with WordPress MU, but you may have to install a plugin to allow Javascript in blog posts.” (Tumblr/Posterous-User haben dieses Problem übrigens nicht.)

Zwischenfazit:

Nichtsdestotrotz bietet storify für Online-Journalismus tolle Möglichkeiten, gerade auch in Hinblick auf Authentizität im durch Social Media gewandelten “Informationsökosystems”. Ich stimme mit Marcus Böschs These daher überein, dass storify für den Online-Journalismus disruptives Potenzial parat hält: d.h. tatsächliche von-Grund-auf-Erneuerung von Erzählverfahren, anstatt nur Verhübschung bzw. Optimierung bestehender Wege. (Für den journalistischen Hausgebrauch gehen damit auch “neue W’s” einher, wie Bösch in seinem Essay ausführt.)

Persönlich kann ich hierzu noch sagen, dass storify meinen – im Rahmen der Abschlussarbeit für den Zertifikatskurs Kulturmanagement(Institut für Kulturkonzepte, Wien) präsentierten – Überlegungen für kuratierten, aus user-generated-content bestehenden Kulturjournalismus in manchen Punkten schon sehr nahe kommt.) Natürlich ist storify nicht nur für Journalisten interessant: auch Kulturinstitutionen können in ihrer Kommunikationsarbeit von storify profitieren, ebenso wie Fanprojekte im Fußball (und anderswo) oder Marketingkampagnen. Und und und…

Rechtliche Aspekte:

Damit bin ich schon beim letzten Punkt angelangt: nämlich den rechtlichen Aspekten. storify wirft die Frage  in seinen FAQ’s auch selbst auf. Ich zitiere: 

 Isn’t there an issue with copyrights to use all this stuff?

We use publicly available content in accordance with the terms for use provided by the sources we are searching. The content we display has been made public by the original creators. We also maintain links to original sources to make sure they always receive attribution for their work. And we even help you notify the content creators that they are now part of your story. You own the content you create with Storify, so it’s ultimately your responsibility to make sure that you have appropriate licenses for any work depending on your use.

Wirklich glücklich machen mich diese Erläuterungen nicht, u.a. aus diesen zwei Gründen:

a.) Ich mir gut vorstellen, dass nicht jedem User jede Einbettung seiner Tweets oder Facebook-Nachrichten in jeden Kontext recht ist – “public availability” hin oder her.

b.) Der Urheberrechtsübergang bzw. die damit verbundene Aneignungsgeschichte (“You own the content you create with Storify, so it’s ultimately your responsibility to make sure that you have appropriate licenses for any work depending on your use”) ist weniger klar, als sie vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Hierzu würde ich mir durchaus mehr und v.a. präzise, beispielbezogene Erläuterungen wünschen. (Gerne auch hier im Forum!)

Über Eure Anmerkungen, Erfahrungen mit storify, etc. würde ich mich sehr freuen.

PS: Ein hier nicht behandelter, aber hoch interessanter  Aspekt betrifft die in den FAQs ebenfalls aufgeworfene “Monetarisierungsfrage”. (Dazu vielleicht demnächst ein seperates Blogpost.)

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4 Antworten zu storify. Ein (vorläufiger) Erfahrungsbericht

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